3 Parodie


Parodie

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Pa|ro|die [paro'di:], die; -, Parodien [paro'di:ən]:
komische oder satirische Nachahmung oder Umbildung:
eine Parodie auf Goethe, auf Goethes »Werther«; eine witzige Parodie der »Tagesschau«; eine gelungene Parodie der beliebten/auf die beliebte Politikerin.
Syn.: Persiflage.

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Par|o|die 〈f. 19
1. 〈Lit.〉 komisch-satirische, übertreibende Nachahmung eines literarischen Werkes od. des Stils eines Dichters in gleicher Form, aber mit anderem, meist unpassendem Inhalt
2. 〈Mus.〉
2.1 Unterlegung einer Komposition mit anderem Text od. eines Textes mit anderer Melodie
2.2 Austausch von instrumentaler u. vokaler Musik
2.3 Austausch von geistlichen u. weltlichen Texten u. Kompositionen
2.4 〈bei Bach〉 Austausch der Teile verschiedener Musikstücke innerhalb eines Gesamtwerkes
[frz., <grch. parodia „Nebengesang“]
Die Buchstabenfolge par|o... kann in Fremdwörtern auch pa|ro... getrennt werden. Davon ausgenommen sind Zusammensetzungen, in denen par... sprachhistorisch nicht auf die aus dem Griechischen stammende Vorsilbe para... zurückgeht, z. B. bei Parole, Paroli.

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Pa|r|o|die , die; -, -n [frz. parodie < griech. par 30̣1̣4̣Ḍdi̓a, eigtl. = Nebengesang, zu: pará = neben u. 30̣1̣4̣Ḍde̅̓, Ode]:
1. (bildungsspr.) komisch-satirische Nachahmung od. Umbildung eines [berühmten, bekannten] meist künstlerischen, oft literarischen Werkes od. des Stils eines [berühmten] Künstlers:
eine schlechte P.
2. [komisch-spöttische] Unterlegung eines neuen Textes unter eine Komposition.
3. (Musik)
a) Verwendung von Teilen einer eigenen od. fremden Komposition für eine andere Komposition;
b) Vertauschung von geistlichen u. weltlichen Texten u. Kompositionen.

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I
Parodie
 
[französisch, von griechisch parōdía, eigentlich »Nebengesang«, »Beilied«] die, -/...'di|en,  
 1) komisch-satirische Nachahmung oder Umbildung eines künstlerischen Werkes oder des Stils eines (berühmten) Künstlers.
 
 2) Literatur: literarisches Werk, das eine bei seinen Adressaten als bekannt vorausgesetzte Vorlage (ein einzelnes Werk, das Œuvre eines Autors, ein Epochenstil oder Genre) unter Beibehaltung kennzeichnender Formmittel, aber mit gegenteiliger Intention nachahmt. Da die Parodie nicht allein ihre literarischen Vorlagen, sondern auch Rezeptionshaltungen und Bildungskonventionen, für die die Vorlagen repräsentativ wurden, kritisiert, kann sie über die innerliterarische Auseinandersetzung hinausgreifend zur literarischen Zeitkritik werden. Formale und inhaltliche Unterschiede zur Parodie finden sich bei Travestie und Pastiche, die in ihrer Wirkungsabsicht der Parodie teilweise ähnlich sind.
 
Die Geschichte der Parodie zeigt zwei Hauptrichtungen, gegen die sich die Parodie wendet: gegen alle Formen des Heroischen und des Konventionell-Sentimentalen. Die ersten Parodien waren die gegen Homer gerichteten komischen Epen vom schlauen Tölpel »Margites« und die pseudoheroische Batrachomyomachie. Es folgten Parodien auf die Tragödien des Euripides u. a. durch Aristophanes (»Die Frösche«), Eubulos und Menander. Im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit wurden v. a. der höfische Roman und das zeitgenössische Rittertum parodiert (H. Wittenwiler, »Der Ring«, Anfang 15. Jahrhundert; F. Rabelais, »Gargantua et Pantagruel«, 5 Bände, 1532-64; M. de Cervantes Saavedra, »El ingenioso hidalgo Don Quijote de la Mancha«, 2 Teile, 1605-15). Parodien auf die klassische Tragödie waren im 17. Jahrhundert in Frankreich weit verbreitet; gegen die antikisierenden Heldengedichte schrieb A. Pope seine Parodie »The rape of the locke« (1712), J. Gay wandte sich mit »The beggar's opera« (1728) gegen die italienische Barockoper. Dem antiheroischen und antiklassischen Effekt verpflichtet sind auch die deutschen Parodien auf Werke von Goethe (C. F. Nicolai, »Freuden des jungen Werthers. ..«, 1775; F. T. Vischer, »Faust. Der Tragödie dritter Theil. ..«, 1862) und Schiller, später v. a. die Hebbel- und Wagner-Parodie J. N. Nestroys. Ein Beispiel für die gegen das Konventionell-Sentimentale gerichtete Parodie ist W. Hauffs Roman »Der Mann im Monde« (1826). Geistreiche literarische Parodien der neueren Zeit stammen u. a. von R. Neumann, E. Kästner, F. Torberg, P. Rühmkorf und E. Henscheid. - Als Stilmittel fand die Parodie Eingang in die Literatur der Moderne: Da anscheinend alle Möglichkeiten künstlerischer Innovation erschöpft sind, werden vorhandene Muster parodistisch gespiegelt (J. Joyce, »Ulysses«, 1922). In der Postmoderne gehört die Parodie aller kultureller Phänomene zu den konstituierenden Elementen.
 
 
T. Verweyen u. G. Witting: Die P. in der neueren dt. Lit. (1979);
 W. Freund: Die literar. P. (1981);
 
P. u. Polemik in mhd. Dichtung, hg. v. G. Schweikle (1986);
 K. Riha: Kritik, Satire, P. (1992).
 
Hier finden Sie in Überblicksartikeln weiterführende Informationen:
 
 
Don Quijote: Ideal und Parodie
 
 
 3) Musik: seit dem 15. Jahrhundert gebrauchte Bezeichnung für die Verwendung einer bestehenden Komposition in einem neuen Zusammenhang, benachbart der Kontrafaktur. So etwa ist die Parodiemesse des 15. und 16. Jahrhunderts durch die Übernahme einer (meist des Tenors), manchmal auch mehrerer Stimmen aus einer Chanson oder Motette gekennzeichnet. Das vielfach mit Umtextierung verbundene Parodieverfahren betraf zumeist auch die musikalische Textur und behielt Bedeutung bis ins 18. Jahrhundert. Eine große Rolle spielte es im Schaffen J. S. Bachs im Sinne der Wiederverwendung früherer Werke in einem neuen Kontext, weitgehend aus kompositionsökonomischen Gründen.
 
II
Parodie
 
[griechisch], 1) bezeichnet in der populären Musik die zumeist mit karikierender Absicht vorgenommene humoristische Umtextierung eines vorhandenen Liedes; ist nicht selten zugleich auch mit stilistischen Übertreibungen der musikalischen Gestaltung des Originals verbunden;
 
2) Parodisten nennt man Unterhaltungskünstler, die bekannte Persönlichkeiten in Stimme und Gestik in oft überspitzter Art und Weise nachahmen (Imitator).
 

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Pa|ro|die, die; -, -n [frz. parodie < griech. parọ̄día, eigtl. = Nebengesang, zu: pará = neben u. ọ̄de̅́, ↑Ode]: 1. (bildungsspr.) komisch-satirische Nachahmung od. Umbildung eines [berühmten, bekannten] meist künstlerischen, oft literarischen Werkes od. des Stils eines [berühmten] Künstlers: eine gute, gelungene, schlechte P.; eine P. auf einen Roman, ein Drama schreiben; Ü dann mag auch der permanente Trubel in der kleinen Stadt als heitere Vision und sanfte P. demokratischer Sitten verstanden werden (Reich-Ranicki, Th. Mann 133). 2. [komisch-spöttische] Unterlegung eines neuen Textes unter eine Komposition. 3. (Musik) a) Verwendung von Teilen einer eigenen od. fremden Komposition für eine andere Komposition; b) Vertauschung von geistlichen u. weltlichen Texten u. Kompositionen.

Universal-Lexikon. 2012.

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